“Es geht nicht bloß um den Verzicht auf ein bisschen Freizeitspaß.”

Pressemitteilung vom Landesverband Niedersachsen DKSB

Hannover, 20.04.2020. Der Kinderschutzbund Niedersachsen warnt in der Corona-Krise vor Maßnahmen, die einseitig zu Lasten von Kindern und Familien gehen. „Es ist unstrittig, dass die Pandemie eine sehr ernste Herausforderung ist“, sagt der Landesvorsitzende Johannes Schmidt. „Das einhellige Ziel, dass die Gesundheit an erster Stelle steht, muss dabei alle Bevölkerungsgruppen umfassen und geht weit über die rein epidemiologische Bekämpfung von Sars-Cov-2 hinaus.“

Es geht nicht um Freizeitspaß, sondern um gesunde Entwicklung

So befürchtet der Kinderschutzbund Niedersachsen teils massive gesundheitliche Auswirkungen auf viele der 13 Millionen Kinder unter 18 Jahren in Deutschland. „Eine monatelange Zwangsisolation von Heranwachsenden führt in vielen Fällen zu Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und anderen Symptomen einer depressiven Verstimmung“, betont Schmidt.

„Es geht nicht bloß um den Verzicht auf ein bisschen Freizeitspaß. Vielmehr drohen jungen Menschen ernsthafte Entwicklungsschäden, wenn die aktuelle Situation zu lange anhält.“ Schließlich seien für die gesunde Entwicklung von Kindern soziale Kontakte eine unabdingbare Voraussetzung. Auch die für Chancengerechtigkeit so wichtige Förderung und Unterstützung stehe auf dem Spiel – die Schere zwischen benachteiligten und privilegierten Kindern werde so beinahe täglich größer. „Insofern gehört zur erfolgreichen Bekämpfung der Krise unbedingt dazu, bei Maßnahmen wie Schul- und Kitaschließungen das Augenmaß nicht zu verlieren.“

Kinder haben Rechte – auch in Krisenzeiten!

Im Gegensatz zur Wirtschaft würden laut Schmidt Kindern und ihren Familien in der Corona-Krise Rettungsschirme des Finanzministers allein nur wenig weiterhelfen. “Schön und gut, dass vor den Schulen Geschäfte wie Friseure wieder aufmachen dürfen. Aber gleichzeitig Vorschulkindern bis zum Sommer den Besuch der Kita zu verbieten, wäre in höchstem Maße erklärungsbedürftig”, so Johannes Schmidt vom Kinderschutzbund Niedersachen.

Schmidt appelliert an Bundes- und Landespolitik, das Wohl und die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf gesundes Aufwachsen, Bildung und Teilhabe bei den anstehenden Entscheidungen deutlich stärker zu berücksichtigen. „Eine Gesellschaft, die diese Krise nachhaltig und ohne allzu große Folgeschäden überstehen will, darf bei aller verständlichen Sorge vor einem neuartigen Virus nicht ihre jüngsten Mitglieder auf der Strecke lassen.“

“Ich wünsche mir das gleiche Engagement für die Kinder und ihre Familien, die es besonders schwer haben.”

Pressemitteilung vom Bundesverband DKSB

Kinderarmut in Zeiten von Corona: Hilgers fordert Zuschläge fürs Mittagessen

Geschlossene Schulen und Kitas stellen Eltern mit geringen Einkommen aber auch erwerbslose Eltern vor große Herausforderungen. Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf kostenloses Mittagessen in der Kita oder der Schule. Für sie und ihre Eltern fällt diese Leistung jetzt ersatzlos weg. Hinzukommt: Günstige Lebensmittel sind schnell vergriffen, Tafeln und andere Organisationen schließen.


Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers: „Der Wirtschaft wird jetzt schnell und unbürokratisch geholfen. Ich wünsche mir das gleiche Engagement für die Kinder und ihre Familien, die es besonders schwer haben. Ich fordere deshalb, aus den freiwerdenden Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets einen unbürokratischen Zuschlag von 90€ pro Monat und Kind für alle Familien, die Leistungen zur Existenzsicherung erhalten, zu finanzieren. Das sind 3€ pro Tag und Kind, die zumindest eine Sorge der betroffenen Familien lindern kann. Die Leistung sollte ab dem 1.4.2020 rückwirkend zum 16.03. 2020 gezahlt werden.“  

Hilgers fügt hinzu: „Das betrifft zum Beispiel ganz konkret jene viel gelobte Mitarbeiterin im Supermarkt, die alleinerziehend ist und die jetzt neben vielen Überstunden auch noch die Betreuung ihrer Kinder organisieren muss. Der Wegfall des kostenfreien Mittagessens in Kita oder Schule trifft ausgerechnet diese Menschen zusätzlich.“    

Hintergrund: Bereits jetzt ist der Regelsatz für Kinder und Jugendliche knapp bemessen. Das Budget für Lebensmittel und Getränke liegt z.B. bei einem 15-jährigen bei rund 5 € pro Tag. Das kostenfreie Mittagessen, das durch das Bildungs- und Teilhabepaket in Kita und Schule gewährleistet wurde, kam hinzu. Betroffen sind Familien, die für sich und ihre Kinder Hartz IV-Leistungen, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen.  

Die vollständige PM finden Sie hier zum Download.

“Etwa 7000 Kinder harren im größten Flüchtlingslager Europas auf der griechischen Insel Lesbos aus”

Pressemitteilung vom Bundesverband

Kinderschutzbundpräsident Hilgers: „Moria ist eine Schande für die Europäische Union“

Berlin, 06.03.2020.

Der Kinderschutzbund fordert Bundesinnenminister Seehofer auf, seine Blockadehaltung gegen die Aufnahme von geflüchteten Kindern und ihren Familien aufzugeben. Etwa 7000 Kinder harren im größten Flüchtlingslager Europas auf der griechischen Insel Lesbos aus. Der Präsident des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers erklärt dazu: „Die Zustände im Flüchtlingslager sind eine Schande für die Europäische Union. In Moria wird die medizinische Versorgung ausschließlich durch Hilfsorganisationen geleistet. Kaum ein Kind dort besucht eine Schule. Den Kindern werden ihre verbrieften Rechte auf Gesundheit und Bildung vorenthalten.“Der Kinderschutzbund erkennt die Bemühungen der Bundesregierung um eine multilaterale Lösung an. „Diese Bemühungen dauern aber bereits mehrere Monate an. Den Kindern dort läuft die Zeit davon. Zahlreiche Kommunen und Bundesländer haben sich bereiterklärt, Geflüchtete von der Insel Lesbos aufzunehmen und ihnen in Deutschland ein zügiges und sicheres Asylverfahren zu gewähren. Ich fordere Herrn Seehofer daher auf, eine kurzfristige Lösung für die besonders gefährdete Gruppe der Kinder zu finden und den willigen Bundesländern und Kommunen die Aufnahme zu erlauben“, fügt Heinz Hilgers hinzu.

Quelle: https://www.dksb.de/fileadmin/user_upload/Pressemitteilungen/2020-03-06_PM_Fluechtlingskinder.pdf