Schulstart = Armutsrisiko?

Kinderschutzbund Niedersachsen fordert echte Lernmittelfreiheit

Pressemitteilung
Hannover, 10. August 2026 – Ob Schulbücher, Klassenfahrten oder Tablets – die Schulzeit kann insgesamt bis zu 20.000 Euro kosten. Laut einer Analyse des Vergleichsportals Idealo belaufen sich die durchschnittlichen Kosten für ein Schuljahr in Deutschland auf etwa 3.600 Euro pro Kind, einschließlich Ausgaben für Lernmaterialien, technische Ausstattung, Klassenfahrten und Verpflegung. Der Kinderschutzbund Niedersachsen warnt vor wachsender Bildungsungleichheit und fordert kostenfreie Lernmittel in allen Bundesländern. Kurz vor Schulbeginn macht der Kinderschutzbund Niedersachsen auf die wachsende finanzielle Belastung von Familien durch Schulmaterialien, Ausflüge und digitale Ausstattung aufmerksam – Kosten, die Kinder aus einkommensschwachen Familien zunehmend in die Bildungs-ungleichheit treiben. Auch das Statistische Bundesamt bestätigt den Trend: Demnach legten allein die Preise für Schul- und Lehrbücher im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent zu.

Hohe Schulkosten verstärken die Bildungsarmut. Wie ungleich Bildung in Deutschland finanziert wird, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts: Einkommensstarke Familien geben für die Bildung ihrer Kinder – etwa für bessere Ausstattung, Nachhilfe oder außerschulische Förderung – fast dreimal so viel aus wie Familien mit niedrigem Einkommen. 

Simon Kopelke, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Niedersachsen vom Kinderschutzbund: 

„Ein gravierendes Problem besteht darin, dass Schulbedarf gegenwärtig mit immer höheren Kosten verbunden ist. Insbesondere für finanziell schwache Familien oder Alleinerziehende sind diese Ausgaben kaum noch zu stemmen. Wenn dann in den oberen Klassen auch noch Nachhilfe dazukommt, können sich Kinder glücklich schätzen, deren Eltern dafür zahlen können.“

Bildungs- und Teilhabepaket reicht nicht aus

Familien mit geringem Einkommen können zwar über das Bildungs- und Teilhabepaket Unterstützung für Schulmaterialien beantragen. Die Leistungen sind jedoch zu niedrig bemessen, ihre Festlegung wirkt willkürlich, und Millionen Kinder werden dadurch gar nicht erst erreicht. „Das Bildungs- und Teilhabepaket hat weder grundsätzliche Verbesserungen noch mehr Teilhabegerechtigkeit herbeiführen können”, sagt Kopelke. Das BuT ist als antragsabhängige Sach- bzw. Dienstleitung konzipiert. „Das produziert einen enormen Verwaltungsaufwand für alle Beteiligten“, so Kopelke weiter.

Kinderschutzbund fordert echte Lernmittelfreiheit

Es ist höchste Zeit, dass Bildung in Niedersachsen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern zugänglich ist. Lernmittelfreiheit sollte kein Bonus, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn Chancengleichheit ernst gemeint ist, muss dafür gesorgt werden, dass alle Schüler*innen mit denselben Voraussetzungen lernen können – und das beginnt bei kostenfreien Lernmitteln. „Wir fordern deshalb ein bundesweit einheitliches Schulpaket, das alle notwendigen Lernmaterialien – von Schulbüchern über Arbeitshefte bis hin zu digitalen Endgeräten – kostenfrei und unbürokratisch zur Verfügung stellt. Zudem müssen die regelbedarfsrelevanten Ausgabenpositionen des Bildungs- und Teilhabepakets endlich bedarfsgerecht neu berechnet werden, damit sich die Leistungshöhe automatisch an steigende Bildungskosten anpasst“, fordert Kopelke.
 
Der Kinderschutzbund, Landesverband Niedersachsen e.V., gegründet 1957, hat 55 Orts- und Kreisverbände mit 6.500 Mitgliedern. Der DKSB setzt sich für die Interessen von Kindern sowie für Veränderungen in Politik und Gesellschaft ein. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Kinderrechte, Kinder in Armut, Gewalt gegen Kinder sowie Kinder und Medien.
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